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Ein besonderer Gast an der Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Schule in Fritzlar

BesuchHerrPongratzDie Klasse FOS 12 Wa mit Frau Roller, Herrn Pongratz sowie dem Schulhund KubaFür die Fachoberschulklasse FOS 12 Wa fand vor dem Beginn der Herbstferien ein etwas anderer Schulvormittag statt. Anstatt dem gewöhnlichen Unterrichtsgeschehen bis zum großen Wochenendgong zu folgen, hatte die Klasse ab der dritten Stunde einen besonderen Gast zu Besuch. Frau Roller, Deutschlehrerin in der FOS 12 Wa, unterrichtet neben dem  Unterricht an der Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Schule auch in der Justizvollzugsanstalt Schwalmstadt. Durch ihre Tätigkeit hat sie dort Herrn Pongratz kennengelernt und sein Talent zum Schreiben von Kurzgeschichten und anderen Textsorten zum Vorschein gebracht.

Zum Deutschunterricht hat sie im letzten Schuljahr mehrmals seine Texte mitgebracht und vorgelesen. Zum Teil wurden anhand der Kurzgeschichten relevante Unterrichtsinhalte erarbeitet, wie beispielsweise das Analysieren und Interpretieren der Texte sowie das Verfassen einer Autorenintention. Herr Pongratz schreibt in seinen Texten über seine Drogensucht, Emotionen, Erlebnisse und Erfahrungen in Bezug auf sein Leben, aber auch über Ansichten der Gesellschaft, Kritik an derselben und nicht zuletzt aufrichtig über die negativen Veränderungen, die dieser Lebensstil mit sich bringt. 

Dadurch entstand die Idee, das Gesicht hinter den Geschichten kennenzulernen und nicht nur Vermutungen über mögliche Bedeutungen seiner Texte aufzustellen, sondern vom Autor selbst die Gründe und den tieferen Sinn derselben zu erfahren. Nachdem Herr Pongratz vor einigen Wochen nach seiner Haftstrafe aus der JVA entlassen wurde, keimte diese Idee wieder auf. Somit entstand ein Vormittag, an dem die Schüler endlich Fragen, die sie beim Lesen der Geschichten hatten, loswerden konnten. 

Zur dritten Stunde kam Frau Roller zusammen mit Herrn Pongratz, der extra über sieben Stunden aus seiner Heimat angereist war. Nach der Begrüßung durch den Schulleiter stellte  sich Herr Pongratz kurz vor und die Klasse folgte seinem Beispiel. Danach erzählte er sehr offen von seinen verschiedenen Lebensabschnitten; vom Beginn der Drogenabhängigkeit über mehrere Gefängnisaufenthalte bis hin zu tiefen Einblicken in seine Gefühlswelt. Die Klasse hörte gespannt zu und brachte zwischendurch immer wieder Fragen ein. Darüber hinaus las Herr Pongratz zwei neue Texte vor, die er zum Teil noch im Gefängnis und zum Teil auch außerhalb zu Ende geschrieben hatte. Um den Deutschunterricht nicht zu vernachlässigen, sollten die Schüler zu den Texten Stellung beziehen und die Aussageabsicht des Autors formulieren. Nach einem anschließenden gemeinsamen Pizzaessen wurde Herr Pongratz dann noch einmal mit einer Menge Fragen konfrontiert, die die Schüler bereits vorab im Deutschunterricht vorbereitet hatten. 

Es war deutlich zu sehen, dass die Schüler sehr interessiert an den Erfahrungen, die Herr Pongratz ausführlich schilderte, waren. In der Feedback-Runde wurde schnell klar, dass den Schülern der Tag sehr gut gefallen hat, vor allem wegen des besonderen Gastes und seiner detaillierten Schilderung seines Gefängnisaufenthaltes, seines Konsums von Drogen und den Veränderungen seiner Persönlichkeit durch die Rauschmittel. Ein Tag, den die Schüler so schnell wahrscheinlich nicht vergessen werden.                          Anna-Lena Faust, FOS 12Wa